Evert Taube

Evert Taube
(1890 - 1976)

→ Original+Deutsch

Ballade über Bellman

Ballad om Bellman

1.

Bellman! wo dein Sang verklungen,
ihn das Echo weiterträgt –
die Natur, die du besungen,
ist von deinem Vers geprägt.
Hör, wenn Solnas Glocken schwingen,
rufen uns zum Morgenpsalm,
wie sie “Bellman! Bellman!” singen!
Echos deiner Lieder klingen
von Norrtull bis Södermalm.

2.

Wachtrabanten und Dragoner,
Schornsteinfeger, Korporal,
Krugmamsellen und Barone
tanzen durch dein Arsenal.
Röckchen schief, Schürzlein zerrissen,
was es sei, wir haben teil –
sehn vom Stuhl den Spielmann sinken,
Türme in der Sonne blinken,
Amor zielen seinen Pfeil.

3.

Doch wir sehn auch Tränen rinnen,
Qual und Angst im Schicksalsschlag.
Herzensnot, ob hinter Zinnen
oder einfachstem Verschlag,
hat kein Ende im Gesange,
aber deiner Verse Wahl
gibt auch noch im Untergange
Trost und Balsam dem, der bange
harrt der allerletzten Qual.

4.

Hier in leichten Falterschwingen,
dort in Gischt und Sturmes Lärm,
hier wo Weinpokale klingen,
dort im Tanze und Geschwärm
kann das Ohr den Klang erlauschen,
läßt das Herz sein Blut im Schwall
“Bellman! Bellman!” freudig rauschen,
kann dein Sang den Sinn berauschen,
deines Waldhorns Widerhall.

5.

Andre Zeiten, andre Sitten,
Mode, Kunst und Industrie,
alles neu und fortgeschritten –
jung doch deine Poesie:
grüne Auen, sonnbeschienen,
vor dem tau-beglänzten Hang
muntre Fohlen, goldne Bienen,
Glitzern, Flimmern, frohe Mienen,
zeigt dein wunderbarer Sang.

6.

Wie ein Maler kannst du stellen
just das Schöne in ein Bild:
wie am Heuboot Segel schwellen,
an Madame das Brusttuch schwillt.
Und Natur gab bei Boutellen
Ulla Venus’ Reiz und Gunst,
die sie, hörn wir dich erzählen,
feilbot Grafen und Gesellen –
ohne Fleck auf deiner Kunst!

7.

Und du gabst den Mälar-Fluren
in Gedicht und Melodie,
du! vor allen Trubaduren
generös dein Weltgenie.
Welch’ Verschwendung! Du gefangen,
Gattin, Kinder ohne Brot,
hohl von Schwindsucht deine Wangen –
und die deine Lieder sangen,
überließen dich der Not.

8.

Doch am Grab von Sankta Klara
unter Sergels Medaillon
klingt im Chor ein wunderbarer
“Bellman! Bellman!”- Andachtsong.
Ja, dein Leben kann ergreifen!
Was du schufst, hat Ewig-Wert.
Mochten Gläubiger dich schleifen,
deine Totenmask’ und Pfeifen
sind nur umso mehr begehrt.

9.

Bellman, wo dein Sang verklungen,
ihn das Echo weiterträgt –
die Natur, die du besungen,
ist von deinem Vers geprägt.